Unsicheres Mädchen hält die Hand vor den Mund – Lotte mit 14, die dazugehören will
Lebenshilfe
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Lotte raucht nicht mehr: Warum wir nie genug bekommen

Egal, ob Sie rauchen, ob Sie zu viel am Handy daddeln, in facebook posten, auf tinder swipen oder instagram influencen, oder ein bürogestresster Kaffeejunkie sind, der einfach seine Kanne Kaffee braucht, Sie sind damit nicht allein. Egal ob Sie nächtelang im Pornokanal surfen, im Online Spielcasino sich den großen Gewinn erhoffen, oder im Gaming-Rollen-Spiel das nächste Level schaffen wollen, das tun viele. Egal, ob Sie auf Schokolade, Marshmallows oder Eis stehen, das tun noch viel mehr.

Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie werden nie satt davon. Bekommen nie genug. Immer noch mehr.

Egal, ob Sie im Börsenfieber dem großen Geld hinterherjagen oder als Workaholic dem Erfolg – in all diesen Fällen hat Ihr Gehirn in Ihnen etwas Unwiderstehliches aktiviert und deshalb wollen Sie immer mehr davon. Das Muster ist immer das gleiche.

Lotte will dazugehören

Lotte ist 38, als sie zu mir in die Praxis kommt. Sie raucht seit über zwanzig Jahren, etwa eine Schachtel am Tag. Aufgehört hat sie schon oft: mit Pflaster, mit Kaugummi, mit einem Buch, einmal sogar drei Monate lang. Jedes Mal kam die Zigarette zurück.

Angefangen hat alles mit 14. In der Schule gab es die Raucherecke hinter der Turnhalle. Dort standen die, zu denen Lotte gehören wollte. Wer rauchte, war dabei. Wer nicht rauchte, stand allein am Rand. Lotte wollte nicht am Rand stehen.

Zu Hause war Rauchen ohnehin normal. Beide Eltern rauchten, in der Küche, im Auto, auf dem Balkon. Der Geruch von Zigaretten gehörte für Lotte zum Zuhause wie der Geruch von Kaffee am Morgen.

„Ich weiß, dass es mir schadet“, sagt Lotte. „Aber sobald ich unter Druck stehe oder mich irgendwo fremd fühle, greife ich zur Zigarette. Als ob ich sonst nicht dazugehöre.“

Warum wir nie genug bekommen – das Belohnungssystem

Ihr Gehirn hat gelernt, sich selbst zu belohnen. Bei parship heißt es, dass sich angeblich alle elf Minuten jemand verliebt. Beim Rauchen oder all den anderen Abhängigkeiten heißt es, dass das Gehirn gelernt hat, sich spätestens alle acht Minuten zu belohnen.

Gibt es so etwas wie ein körpereigenes Belohnungssystem?

Ja, das gibt es. Und es ist sehr aktiv. Jeden Tag. Es sitzt mitten im Gehirn. Die Wissenschaft spricht vom mesocorticolimbischen dopaminergen Belohnungssystem. Kürzer: das mesolimbische System. Was macht es? Kurz gesagt: Es schürt Verlangen nach Belohnung und speichert die Erfahrungen im Hippocampus. Der Hippocampus sieht einem Seepferdchen ähnlich, daher der Name (Hippo, griechisch für Pferd), und ist wichtig für das Gedächtnis und das Lernen.

Unser neuronales Belohnungssystem spielt gerne mit unserem Verlangen nach Belohnung. Zuckerbrot und Peitsche, gewissermaßen. Unsere Grundbedürfnisse nach Essen, Trinken und Sex sind essenziell fürs Überleben. Aber ohne den richtigen Antrieb, ohne Motivation würden wir ganz schnell verhungern oder verdursten. Und ohne Sex würden wir glatt aussterben. Also hat sich unser Schöpfer etwas Kluges einfallen lassen. Eben einen richtigen Motivationsschub mittels Belohnung. Positive Verstärkung nennt das die Verhaltenstherapie. Hat man dem Drang nachgegeben und etwas gegessen, dann werden da in unserem Oberstübchen ganz viele Botenstoffe ausgeschüttet, die in uns richtige Glücksgefühle erzeugen, bis hin zur Euphorie. Dopamin, man höre, körpereigene Opiate! und Oxytocin spielen da eine große Rolle. Das merkt sich unser Seepferdchen und speichert diese Erfahrung ab unter dem Label: erwünscht.

So wird ein Verhalten aus Sicht des Gehirns immer mehr zu einem erwünschten Muster. Mit anderen Worten, es entsteht da oben eine Autobahn, die immer öfter befahren wird. Damit nun dieses Verhalten zur Sucht wird, geschieht etwas Neues. Der ständige Konsum von Zigaretten oder Online-Spielen, um nur zwei zu nennen, bewirkt nämlich eine sogenannte Neuroadaption. Es kommt also zu einer dauerhaften Veränderung des Belohnungssystems auf biochemischer und physiologischer Basis. Diese Veränderung legt da oben einen Schalter um und erhöht die Ansprechbarkeit (Sensitivierung) auf eine nächste Zigarette, aber – und jetzt kommt der Hammer - geizt mit Belohnung. Unser Gehirn möchte jetzt mehr davon, bevor es uns belohnt. In der Fachsprache spricht man von der sogenannten Toleranzentwicklung. D. h., um denselben Kick zu erleben, braucht es jetzt deutlich mehr, als bisher. Also z. B. Schokolade. Jetzt genügt nicht mehr ein Rippchen, nein, es muss die ganze Tafel sein. Oder Sex. Immer mit demselben Partner kann schnell langweilig werden, dann muss rasch ein neuer her. Der Gründer von Playboy, Hugh Hefner, lebte nach dieser Maxime. So war er dauerverliebt, die Damen allerdings nicht. Denn seine Halbwerts-Fallen-lass-Zeit war kurz. Wie schon oben gesagt, das macht nie satt, im Gegenteil, man kann darüber verhungern.

Bei Lotte belohnte die Zigarette aber nicht nur das Nikotin-Verlangen. Sie belohnte ein viel älteres Bedürfnis: dazuzugehören.

Craving – wenn das Gehirn mehr will

Ok, spielen wir das mal durch. Sie haben beschlossen, sich mit Ihrem mesolimbischen System anzulegen und verzichten spontan auf Ihre Zigarette. Ihr Belohnungssystem lobt Sie sogar dafür, sonst würden Sie sich jetzt nicht über den kleinen Sieg freuen. Sie halten das durch, einen Tag, zwei Tage oder mehr? Vergessen Sie nicht, Sie haben da oben eine Autobahn und die will befahren werden. Ihr System ist Nikotin gewöhnt, oder likes oder clicks, je nachdem. Es schüttet jetzt vermehrt Dopamin aus, wie der Neurologe Kent Berridge von der Universität Michigan in einem Rattenexperiment herausfand.

Bezogen auf Sie als Raucher: Das Dopamin soll Sie motivieren, die nächste Zigarette zu rauchen. Je mehr Sie sich nun dem verweigern, umso größer wird die Dopamin-Ausschüttung und damit Ihr Verlangen, bis hin zur Unwiderstehlichkeit. Das nennen Therapeuten Craving. Das Craving ist ein mächtiger Gegenspieler, der nicht unterschätzt werden sollte. Nur ein sehr starker Wille kann es besiegen. Allerdings nur ein sehr starker und ausdauernder Wille. Die Sache ist nämlich die: Craving ist sehr ausdauernd und hält bis zu sechs Wochen an. Erst nach sechs Wochen hat das Gehirn dank seines Hippocampus umgelernt.

Hat man die sechs Wochen überstanden, ist man aber noch lange nicht über dem Berg. Man hat jetzt einen Trampelpfad angelegt, nicht mehr. Wenn man jetzt dem Gehirn nicht die Zufahrt zur Autobahn sperrt, landet man früher oder später wieder auf der fast lane. Das wäre dann der Rückfall. Quote, fünfzig Prozent, wie schon gesagt.

Genau das war Lotte dreimal passiert. Jedes Mal kam der Rückfall in einer Situation, in der sie sich fremd fühlte: beim neuen Job, bei der Familienfeier der Schwiegereltern, im Urlaub mit neuen Bekannten.

Die Ursache gefunden – wie der Yager Code helfen kann

Der Yager Code kommuniziert mit all Ihren Persönlichkeitsanteilen, die bisher zum Rauchen beigetragen haben, analysiert diese und veranlasst sie zu einer Neukonditionierung.

In der Sitzung zeigte sich: Der Anteil, der bei Lotte nach der Zigarette griff, war die 14-jährige Lotte hinter der Turnhalle. Für sie bedeutete die Zigarette: „Ich gehöre dazu. Ich bin nicht allein.“ Dazu kam das Bild der rauchenden Eltern in der Küche. Zigarettenrauch war für dieses innere Kind ein Stück Zuhause und Geborgenheit.

Mit dem Verstand allein kommt man an diese Verknüpfung nicht heran. Mit dem Yager Code konnte Lotte ihr jüngeres Ich kennenlernen und ihm zeigen, dass es heute andere Wege gibt, dazuzugehören und sich geborgen zu fühlen. Die Zigarette verlor damit ihre eigentliche Aufgabe.

Lotte raucht nicht mehr. Wenn sie heute in eine Runde kommt, in der sie niemanden kennt, spürt sie die alte Unsicherheit manchmal noch. Aber sie weiß jetzt, woher sie kommt, und sie braucht keine Zigarette mehr, um dazuzugehören.

Die Kinderbilder auf meiner Webseite stehen für unsere Persönlichkeitsanteile, die jeder von uns hat und die zumeist in der Kindheit entstanden sind.

Fazit

Ob Zigarette, Handy, Schokolade oder Arbeit – das Muster ist immer das gleiche: Das Belohnungssystem hat eine Autobahn gebaut. Willenskraft allein reicht oft nicht, weil hinter der Gewohnheit ein älteres Bedürfnis steckt, bei Lotte das Bedürfnis dazuzugehören. Aber – good news – was man erlernen kann, kann man auch wieder verlernen. Wer die Ursache kennt, kann der Autobahn die Zufahrt versperren.

Mehr dazu: Rauchentwöhnung mit Yager Code und Hypnose · Abnehmen – finde dein Wunschgewicht · Inneres Kind

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