Ängste
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Die Schlacht um die Kastanien - oder der Kampf gegen die Angst

Meine Narbe

Ich war zwölf. Es war der goldene Oktober. Und es ging um die Wurst. Genauer um Kastanien. Rotbraune Rosskastanien. Und ich sollte eine Narbe davontragen die mein ganzes Leben sichtbar bleiben würde. Noch hatte ich sie nicht.

Auf unseren landwirtschaftlichen Gründen befand sich eine wunderschöne, altehrwürdige Kastanie. Die Kastanie stand auf unserem Grundstück aber außerhalb des Schlossparks d.h. jenseits der meterhohen Gartenmauer. Das war die Trennlinie zwischen Dorf und Schloss.

Der Schlüssel

In der Mauer gab es ein hölzernes Tor. Man konnte es öffnen, mit einem alten rostigen Schlüssel. Doch es blieb geschlossen. Angst hielt es verschlossen.

Für uns Kinder war der uralte Baum eine willkommene Quelle das Taschengeld aufzubessern. Jedes Jahr im Herbst bot sich dafür eine wunderbare Gelegenheit. Dann waren die Kastanien herangereift und fielen zu Hauf zur Erde. Nicht alle fielen zur Erde. Viele blieben am Baum hängen. Sie von dort herunter zubekommen und zwar auf die richtige Seite der Mauer war unser aller Begehr.

Der Kampf

Auf beiden Seiten wurde um die Kastanien gekämpft. Jeder warf mit abgebrochenen, alten, knorrigen Ästen, die am Boden zuhauf herumlagen, so hoch er konnte. Bei derlei vielen Geschoßen, blieb es nicht aus, dass die Prügel haarscharf an einem vorbeiflogen, wenn sie wieder herunterkamen. Keiner von uns Burschen und Mädels achtete der Gefahr. Unser Augenmerk galt dem kostbaren Gut der Kastanien, die beim Förster in bare Münze wandelbar waren. Wir sahen all die schönen Dinge vor uns, die wir uns davon leisten konnten. Ein Eis, Süßigkeiten vielleicht sogar ein echter Pfeil für den Bogen oder ein Ball zum Spielen, das waren unsere Motivatoren. Und so warfen wir von beiden Seiten nach Leibeskräften unsere Prügel. Jeder für sich. Es war ein gemeinsames, einsames Werfen. Keiner für den anderen, jeder für sich. Auch ich.

Angst hielt das Tor geschlossen. Angst vor Ablehnung, Angst vor Verlust. Schwellenangst. Wenn ich die Schwelle überschreite, würde ich dann Prügel beziehen? Würden mich die anderen ablehnen? Mir meine Kastanien klauen?

Die Wunde

Päng! Da trifft mich ein herabfallender Prügel von draußen mitten am Kopf und beschert mir eine klaffende Platzwunde. Heftiges Blut, rot, natürlich. Blau war nur meine Stirn von den Beulen. Die Schlacht war für mich vorbei. Als ich aus dem Krankenhaus kam, trug ich voller Stolz einen weißen Helm aus Verbandsmull. Lieber Prügel einstecken, als der Angst das Tor öffnen.

Als die Wunde abheilte, blieb eine Narbe zurück. Ich war stolz auf sie. Ich war mir nicht bewusst, dass sie noch meine Angst verbirgt. Versteckt am Hinterkopf unter vielen Haaren. Ein Mahnmal mich meiner Angst zu stellen. Manchmal ist sie ein wenig auffällig, je nach Wetterlage. Aber meist verhält sie sich ruhig. Ich habe noch weitere Narben, die ihre Spur am Körper hinterlassen haben und mich seitdem mit ihrer Mahnung begleiten. Eine davon an der Stirn, die von einem schweren Radunfall herrührt. Sie ist am auffälligsten. Wenn ich mit den Fingern darüberstreiche, kann ich ihre Erhebung spüren. Auch sie steht für eine Angst. Die Angst etwas zu verpassen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Äußere Narben sind sichtbar, verhalten sich, nach dem sie abgeheilt sind, immer noch sensibel. Doch das äußere Ereignis, das dazugehört, liegt in der Vergangenheit wirkt abgeschlossen. Vergessen und vorbei. Schwamm drüber. Wirklich?

Die unsichtbare Narbe

Es gibt aber auch noch andere Narben. Narben, die nicht außen sichtbar sind. Narben die aufgrund seelische Verletzungen entstehen. Narben die man sogar im Gehirn nachweisen kann. Äußere Narben können innere Narben zur Folge haben. Nicht immer. Aber öfter, als wir denken.

Bei einer Computertomographie kommt es bei den Untersuchten immer wieder zu Erstaunen darüber, dass in den Gehirnwindungen Narbengewebe nachweisbar ist. Heute weiß man, dass seelische Verletzungen, wie zum Beispiel Mobbing oder Missbrauch von unserem Schmerzzentrum genauso wahrgenommen werden, wie physische Verletzungen. Es ist eine tiefe Wunde. Es entsteht der gleiche Schmerzreiz. Dieser Schmerzreiz löst dieselben Symptome aus wie eine körperliche Verletzung wie etwa durch einen Schnitt mit dem Messer oder ein offener Knochenbruch beim Skifahren. Seelische Wunden tun sehr, sehr weh. Und sie hinterlassen Narben.

Diese Narben bleiben oft unerkannt. Sie sind genauso sensibel und druckempfindlich wie sichtbare Narben. Werden sie zu heftig berührt, schmerzen sie. Und das passiert, wenn etwas in uns getriggert wird. Etwas, das uns unbewusst Angst macht. Dann überreagieren wir oft und wissen gar nicht warum und wieso, weil wir die Ursache nicht kennen.

Das offene Tor

Ich habe beides. Innere und äußere Narben. Nicht erst seit der Kastanienschlacht. Heute sind viele davon geheilt oder tun nicht mehr weh. Weil ich gelernt habe mich meinen Ängsten zu stellen, das Tor zu öffnen und die Schwelle zu überschreiten.

Innere Narben zu entdecken und zu heilen ist Aufgabe eines Coaches oder Therapeuten. Sind innere Narben einmal erkannt und zugeordnet, können Sie rasch abheilen und führen zu einem Leben, in dem Gefühle ausblühen können, wie ein frisch duftende Blumenwiese im Frühjahr. Ein Leben ohne übertriebene Ängste, voller Freude getragen von Liebe.

Von der äußeren zur inneren Narbe und wie beide abheilen können.

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